Rettung der Wanderfalken 2026

Eine Geschichte von Herrn Warren:

Im Juni diesen Jahres bekam ich einen Anruf wegen einem Wanderfalkenästling, der auf einem Firmengelände in Groß-Gerau notgelandet war. Der Melder hatte ihn in einen Karton gesetzt und dabei auf meine Ratschläge geachtet. Dabei sollte man bei Vögeln Karton als Nest nehmen, z.B. ein Handtuch reinlegen und Löcher von innen nach außen durchstechen. Wenn man von außen nach innen sticht entstehen Grade, an denen sich die Vögel die Federn verletzen können. Das Nest ist gut für den festen Sitz der Vögel. 

Den gesicherten Falken übergab mir der Finder und ich brachte ihn zur Auffangstation für Greifvögel und Eulen in Haßloch in der Pfalz. Dort wird eine tolle Arbeit geleistet und die Vögel werden fachgerecht behandelt, um die spätere Auswilderung zu sichern. Das ist für mich wichtig, weil diese Tiere in Freiheit gehören.

Ein paar Tage später erhielt ich einen Anruf von der Polizei in Groß-Gerau. Ich wurde um Mithilfe bei der Sicherung des zweiten Wanderfalken aus der Stadtkirche gebeten.

Also machte ich mich auf den Weg und die Polizisten verhielten sich vorbildlich und blieben bei dem Falken bis ich ihn sichern konnte. 

Auch diesen brachte ich nach Haßloch, wo die Falken sicher fliegen und Beute fangen lernten.

Als es sicher war, dass sie in Freiheit selbständig überleben können, gab mir der Falkner Bescheid. Ich konnte die Falken abholen und unter anderem an der Stadtkirche freilassen. 

Auf Grund der Hitze dieses Jahr waren auch andernorts die Jungtiere zu früh aus den Nistkästen geflogen und notgelandet. Da sind sie dann Situationen ausgesetzt, mit denen sie noch nicht umzugehen wissen. Wie z.b. Katzen oder dem Verkehr. An den anderen Fundorten war starker Werksverkehr, dem die Tiere dann wahrscheinlich zu Opfer gefallen wären. 

Mir war es wichtig die Falken davor zu schützen und das würde ich immer wieder tun weil die Tiere es verdient haben eine Chance auf Leben zu bekommen.

Vielen Dank - Herr Warren - für Ihren vorbildlichen Einsatz und das Überlassen Ihrer Geschichte samt Bild- und Videomaterial. 

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Was ruft da vom Kirchturm?

Laute Rufe durchdringen den Groß-Gerauer Alltagslärm. Spaziergänger am Sandböhl schauen zum Himmel. Die klagenden und anschwellenden Rufe schallen vom Turm der Stadtkirche. Dort oben, über den Dächern der Stadt, noch über den Glocken, wird Hochzeit gefeiert. Es ist ein bemerkenswertes Paar, das sich die Groß-Gerauer Stadtkirche für seine Zukunft auserwählt hat. Die Augen der Vermählten blicken scharf in die Weite. Sie ist größer, wiegt knapp 1000 Gramm. Er ist kleiner, viel leichter, wirkt eher schmächtig. Mit Leichtigkeit auf spitz zulaufenden Flügeln schwingen sich die beiden in die Lüfte. Mit kraftvollen Flügelschlägen und rasanten Flugmanövern umkreisen sie den Himmel um die Stadtkirche. Wanderfalken.

Sie gehören zu den bekanntesten Greifvögeln der Welt. Sind auf allen Kontinenten heimisch. Oft jedoch selten. In Deutschland waren sie vor 40 Jahren fast ausgerottet. Der Mensch verfolgte und bejagte sie gnadenlos. Der Einsatz von DDT ließ die Eischalen zerbrechen. Es gab nur wenig Hoffnung. Doch der unermüdliche Einsatz von Naturschützern schenkte den Wanderfalken eine neue Zukunft. Nachzuchten, Auswilderungen, der Verzicht auf tödliche Gifte und der konsequente Schutz an den Brutplätzen waren erfolgreich. Die Wanderfalken kehrten zurück.

Pfarrer Helmut Bernhard und Bernhard Hormann (Kirchengemeinde) hatten vor Jahren die Idee, den Kirchturm als Lebensraum und Brutplatz für Falken und Fledermäuse herzurichten. Unterstützt von Vogelschutzwarte und NABU baute der umtriebige und findige Astheimer Vogelschützer Hans Mundschenk spezielle Nistkästen für die Falken. Auf der Südseite, mit Blick zum Sandböhl wurden die Nistkästen angebracht. Unterhalb der Glocken wohnen und brüten die kleinen Turmfalken. Sie sind oft rüttelnd in der Luft und jagen Mäuse. Oberhalb der Glocken, auf Höhe der Aussichtsplattform, ist die Kinderstube der stolzen Wanderfalken. Von hier oben erspähen sie ihr Leibgericht. Haustauben. In rasender Geschwindigkeit jagen sie die Tauben und erreichen im Sturzflug Geschwindigkeiten von weit über 200 Stundenkilometern. Wanderfalken sind die schnellsten Vögel der Welt. Deshalb auch begehrt und kostbar. Falkner richten sie zur Jagd auf Enten ab. Dass die Wanderfalken in diesem Jahr  wieder in den Turm der Stadtkirche eingezogen sind, ist ein toller Erfolg. Haben Wanderfalken Gefallen an einer Wohnung gefunden, so bleiben sie dieser oft lebenslang treu. Nur rund 100 Wanderfalkenpaare brüten in Hessen. Deutschlandweit sind es etwas mehr als 600 Paare. In Kirchtürmen brüten nur ganz wenige. Die Groß-Gerauer Stadtkirche und ihre Gemeinde kann stolz auf ihre Falken sein.

Text und Fotos von Bernd Petri, Ornithologe, NABU

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