Der erste Blick zurück zeigt Licht, das grau-dämmrig durch ein schäbiges, mutwillig zerstörtes Fenster über dem Portal der Stadtkirche in die mit verstaubten Plastikkränzen und Gedenktafeln und Grabsteinen vollgerümpelte Turmhalle fällt.
Es ist der Blick von Helmut Bernhard, als er 2005 nach 10 Jahren in Trebur die Pfarrstelle an der Stadtkirche übernimmt.
Zweiter Blick: das dunkle Innere der Kirche, bräunlich verschmierte Akustikdämmplatten an den Wänden, eine auf alt getrimmte dunkle Holzbalustrade aus den 50ern erdrückt den ganzen Innenraum;
der dritte Blick: ein kleines, völlig heruntergekommenes Stück Grünanlage neben der Kirche: ein Hundeklo,
der vierte Blick über die Helwigstraße: ein in die Jahre gekommenes Gemeindehaus mit blinden Fenstern und bröckelndem Putz neben einer verrammelten Kapelle, in der seit Jahrzehnten nichts passiert.
Fünfter, sechster Blick…
Kein Lichtblick, nirgends. Der Mann, der sich das anschaut, denkt:
„Das kann doch so nicht bleiben.“
Über 20 Jahre später ist er älter geworden, fast siebzig, hat sich als Gemeindepfarrer schon von seiner Stadtkirche verabschiedet und bereitet sich endlich auf seinen Ruhestand vor. Ein Lichtblick, wenn man wie im Sommer 2026 innerhalb weniger Wochen 10 Bestattungen hat. Und kaum sind die abgearbeitet, warten die nächsten Kasualien.
Im neuen Nachbarschaftsraum fehlen Pfarrerinnen und Pfarrer und Helmut Bernhard humpelt mit frisch operiertem Knie über die Friedhöfe der Gesamtkirchengemeinde „Gerauer Land“. Nur noch bis zum Ende des Jahres; dann endlich Zeit für die Familie, für das Enkelkind in Mainz, für das Reisen mit seiner Frau, und „einfach in den Tag hineinleben“. Der Ruhestand als Lichtblick.
Und tatsächlich: Als ich mit Helmut Bernhard zusammensitze und mit ihm auf die letzten 20 Jahre schaue, leuchten die Augen und strahlen die Gesichter. Lichtblicke, wohin wir schauen.
Erste Entscheidung gleich zu Beginn: ein neues Portalfenster muss her, und zwar schnell - das ist doch der Eingang zur Kirche, nicht zum Bahnhofsklo: von einem Profi gestaltet, ganz einfach, bunt, blau mit gelben und roten Sternen. Himmlischer Segen. Und siehe da: Nie wieder wurde das Portalfenster zur Zielscheibe jugendlicher Steinwürfe.
Nächste Entscheidung: ein neues Gemeindehaus (das alte hatte der abgewählte Kirchenvorstand im Streit noch schnell verkauft, um den neuen Kirchenvorstand zu ärgern – welch glückliche Fügung!), von einem guten Architekten, moderne Formen, wertig, großzügig, direkt neben die Kirche gebaut.
(Die Stadt Groß-Gerau brauchte Geld für die Kinkelschen Bronzefiguren und wollte das verdreckte Plätzchen verscherbeln – welch glückliche Fügung und welch Gewinn für die Stadt, man musste nur entschlossen zugreifen.). Und die wenigen wirklich alten Glasstücke aus dem zerstörten Portalfenster (16. Jahrhundert!) – die tauchen dann im modernen Gemeindehaus in einem
Kunstwerk wieder auf, so dass das Alte im Neuen „ a u f g e h o b e n “ wird.
Und kaum ist etwas fertig, geht es weiter. Die Kirche wird umgestaltet, erst der Turm, dann die Chorfenster, dann der Innenraum, dann die Prinzipalstücke Altar, Kanzel, Taufbecken, Rednerpult...
Wieso gelingt das alles?
Im Kirchenvorstand sitzen zunächst noch Leute, die am liebsten die Schränke und Türen aus dem alten Gemeindehaus ins neue retten wollen „Die sind doch noch gut. Die können wir doch streichen.“ In der Gemeinde wird gejammert, dass die Gedenktafel an den Krieg anno 70/71 aus dem Turm verschwindet; in der Kirchenbauverwaltung in Darmstadt sitzen Leute, für die die Groß-Gerauer Gemeinde seit dem Streit um den Umbau der Kirche ein rotes Tuch ist; der Denkmalschutz findet plötzlich Eichenholzbalustraden aus den 50ern unbedingt erhaltenswert... So viele Leute, die sagen: Das geht nicht, das soll bleiben, wie es ist, das war schon immer so, das lohnt sich nicht, das ist überflüssig, das kostet so viel.
- Wie schafft es der Mann mit dem Gedanken „Das kann so nicht bleiben.“, seine Vision von einem gestalteten, offenen, hellen, heiligen Raum voller Kunst und Menschen und Begegnungen trotzdem zu verwirklichen?
Seine Antwort: „Beziehungsarbeit“.
Die ist weit gefächert. Zu ihr gehört, in einer Nacht- und Nebelaktion mit „seinem“ Küster Reinhold Wedler heimlich den alten fleckigen roten Kokosteppichläufer auf den Altarstufen zu entsorgen, bevor jemand sagen kann: „Der ist doch noch gut.“ Zu ihr gehört auch, in jahrelanger Überzeugungsarbeit immer wieder ein weiteres Kunstwerk von Meide Büdel in die Kirche oder außen ans Gemeindehaus zu bekommen. Klarheit und Kunst:
aussagekräftige Symbole des Glaubens, die einen klaren Raum gestalten und so ihre spirituelle Wirkung auf die Menschen entfalten.
Den Glauben zur Sprache bringen. Begegnungen der Menschen mit Gott ermöglichen.
Und dazu gehört ein weiteres Projekt, für das Helmut Bernhard mit Engelszungen und -geduld geworben hat, gegen alle Zweifler, gegen alle Bedenkenträger, gegen alle Einwände, bis er schließlich genügend Unterstützer gefunden hatte: die offene Kirche.
Und im Rückblick stehen einige Schäden und Verunreinigungen gegen viele, viele begeisterte Kommentare im Gästebuch und eine beeindruckend häufige Nutzung des Angebots der offenen Kirche. Ja, woher soll denn die Gestaltung des Raums sonst auch ihre Berechtigung haben? So denkt er.
Er wirbt, er schimpft, er erklärt, er sucht Leute, die..., er beschreibt, er plant, er plant anders, er telefoniert, er besucht, er nennt Termine, er nervt seinen Kirchenvorstand mit endlosen Sitzungen. Dauernd muss die Kreativgruppe seine verrückten Ideen in wochenlanger Arbeit umsetzen:
ein senkrechter stehender Abendmahlstisch mit zwölf Gedecken - das muss doch gehen! Klingt nach Chaos? Nein, denn er hat eine Vision und eine dazu passende ganz konkrete Strategie und ein Gespür für die Menschen, die mitgehen könnten. Und er gewinnt die Menschen, seine Gemeinde, weil die merkt, dass sich etwas bewegt, wo sich vorher nichts bewegt hat. Und schließlich bewegt sich seine Gemeinde, sein Kirchenvorstand, bewegen sich die Mitarbeiter, alles zusammen wird selbst zu einer bewegenden Kraft.
„Beziehungsarbeit“ - Gemeinde, das ist mehr als ein sakraler Bau, und sei er noch so gelungen. Die Musik mit Wiebke Friedrichs vielen Gruppen, der Seniorennachmittag, Ausflüge mit dem Kirchenvorstand, der Gemeindebrief, der Kindergottesdienst, Konfirmandenfahrten, ja, selbst der Religionsunterricht in der Nordschule:
Die Lichtblicke dieses Rückblicks - da geht es um Menschen.
Wieso entsteht das alles?
Von Anfang an greift er sich die Leute, dieser „Menschenfischer“.
Nur als Beispiel: einen Kindergottesdienst ins Leben rufen? Lösung: einfach anfangen und rumfragen: Wer kann?
Wer macht mit? Wer kennt einen, der...? Alle Kanäle nutzen: Konfi-Eltern, Kirchenvorstand, die Musikgruppen, die Gottesdienstbesucher ansprechen – über Monate dieselben Fragen: Wer kann? Wer macht mit?... Und dann ist das erste KiGo-Team da und irgendwann auch eigenständig handlungsfähig.
Aber diese Ehrenamtlichen werden nicht sich selbst überlassen. „Beziehungsarbeit“ heißt auch: da sein für die, die eine Aufgabe übernommen haben, zusammensitzen, reden, reden, reden. Wertschätzen, was da geleistet wird.
Reden, reden, reden… Das ist das Motto, wenn es um das Gemeindeleben geht, „Beziehungsarbeit“ hat da die Bedeutung, dass die linke Hand weiß, was die rechte gerade tut, und dass die Gemeinde weiß, was die fleißigen Hände in der Gemeinde gerade tun, und dass die Öffentlichkeit es auch weiß, was die Gemeinde gerade auf die Beine stellt. Das alles muss kommuniziert werden, weshalb ihm auch der Stadtkirchenbote ein besonderes Anliegen war: je ansprechender, desto besser, auch wenn der Druck ein paar hundert Euro mehr kostet.
Und an der Stelle steht der Bote mit den Chorfenstern und dem Gemeindehaus für Helmut Bernhard auch unter der Überschrift „Glauben zur Sprache bringen“, nämlich in einer Qualität, die die Menschen anspricht. „ Ansprechende Qualität“ statt bemühtem, endlosem Rumgemache. An der Stelle muss bei dem Rückblick auf die letzten 20 Jahre die Kirchenmusik thematisiert werden.
Im Gespräch erzählt Helmut Bernhard von der Bedeutung der Musik in seiner Biographie und in seiner beruflichen Arbeit. Auf allen Pfarrstellen hat er mit Musik gearbeitet.
Aber als er 2005 in Groß-Gerau beginnt, hat er einfach ein irrsinniges Glück.
Zur gleichen Zeit beginnt nämlich eine junge A-Kirchenmusikerin: Wiebke Friedrich.
Und es entwickelt sich eine Zusammenarbeit, die eine starke Wirkung auf die Gemeinde hat. Zu dem Zeitpunkt ist die Stadtkirche auch musikalisch betrachtet ein völlig verwüsteter Ort: Die Kantorin ist eigentlich nur mit 25% ihrer Stelle an der Stadtkirche, die Kantorei singt in Dornheim, der Posaunenchor lebt seit den Streitigkeiten in der Gemeinde im Exil in Groß-Gerau Süd. Auch hier entsteht der Gedanke „So kann das nicht bleiben.“
Nach und nach verwirklichen die beiden Neuen gemeinsam eine Vision von einem kirchenmusikalischen Zentrum, zwar auch mit großen Werken von Bach, Haydn, Mozart und so weiter, aber vor allem - und das ist beiden viel, viel wichtiger - mit lebendigen Gruppen vom Knirps bis zum Greis, die in die Gemeinde, in das Gemeindeleben, in ihre Gottesdienstkultur, in die diakonische Arbeit der Gemeinde integriert sind und dann selbst ein Netzwerk bilden.
Helmut Bernhard und Wiebke Friedrich funken auf einer Wellenlänge. Ganz neue Konzertformate werden entwickelt;
musikalische Gottesdienste mit mehreren Gruppen; Singen und Spielen im Gottesdienst wird für alle Chöre zur Normalität, die Orgel bekommt einen ganz neuen Stellenwert. Kantorin und Pfarrer treiben sich gegenseitig an, lassen sich gegenseitig gewähren, unterstützen die verrückten Ideen des anderen mit ganzer Kraft: Wenn der Pfarrer ein Konzert am Ewigkeitssonntag mit modernen Pop-Songs haben will, kriegt er es; wenn die Kantorin eine Truhenorgel oder einen Zimbelstern oder einen Orgelgottesdienst haben will, dann kriegt sie sie. Die Liste von dem, was aus dieser Zusammenarbeit entstanden ist, sprengt den Rahmen dieses Rückblicks. (mehr auf unserem YouTube-Kanal)
Nur „Peter und der Wolf“ hat er nie gekriegt - wie auch die Umbenennung der Stadtkirche in „St. Marien“. Armer Helmut! :) Aber eigentlich gehört auch die Kirchenmusik nur zu dem schon erwähnten zentralen Anliegen Helmut Bernhards:
„den Glauben sprachfähig machen“, ihn zur Sprache bringen, den Glauben feiern, den Glauben zu den Menschen bringen. Und da ist das Wichtigste für ihn eben doch der Gottesdienst. Der Gottesdienst in einem vom Glauben sprechenden hellen Raum, der Gottesdienst mit einer bewegenden Musik, die den Glauben feiert, der Gottesdienst, in dem eine von der Kreativgruppe gestaltete, sichtbare, greifbare Gegenständlichkeit (wie z.B. einmal am Buß- und Bettag eine aus starker Pappe gebaute, begehbare überdimensionale Waschmaschine) hilft, vom Glauben zu sprechen, der Gottesdienst, zu dem verlässlich
jeden Sonntag die Türen einladend offen stehen und zu dem jeder persönlich begrüßt wird, der Gottesdienst, der ein Thema hat. … ein Gottesdienst, der dann auch schon einmal deutlich mehr als eine Stunde dauern darf. :)
Der Sonntag, der Tag des Herrn als Lichtblick für eine ganze Woche!
Volker Lilje
Ja, ich weiß: Dieser Artikel wurde recht lang.
Aber das nehme ich auf meine Kappe. Das ist wie mit Helmut Bernhards Predigten.
Wenn‘s wichtig ist, darf es auch mal ein Satz mehr sein. Es geht ja nicht um irgendwas, es geht um Helmut Bernhard und um die Stadtkirche und um den Glauben und um die Menschen, die 20 Jahre lang an diesem Ort das alles miterlebt haben.
Miterleben durften. Es geht um mich. Danke, Helmut! Ich habe fertig.)
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Eigentlich sollte man denken, dass es nach den ganzen Osterfeierlichkeiten ruhiger zugeht, aber ein besonderer Gottesdienst jagte den anderen.
Am Sonntag „Kantate“, das bedeutet „Singet!“, lud Wiebke Friedrich wie jedes Jahr zum Gospelworkshop ein.
Der Ohrwurm ist ein hartnäckiges Tier. Ob du gehst oder stehst, wachst oder schläfst, dein Ohrwurm ist munter, und er schunkelt und singt in Endlosschleife „Jubilate, everybody“.
Feierabend? Kennt er nicht.
Mich hat dieser Ohrwurm Anfang Mai tagelang begleitet, und bestimmt ist es vielen anderen Teilnehmenden des diesjährigen Gospelworkshops (30. April – 3. Mai) ebenso ergangen. Das schwungvolle „Jubilate Deo“, der Gassenhauer „Clap your hands and sing Halleluja“, das liebevolle, getragene „May the Lord send Angels“ und auch die anderen Stücke, sie hatten allesamt das Zeug dazu, sich in unseren Hirnen einzunisten und es sich dort gemütlich zu machen.
Trotz des Feiertags am 1. Mai (Oder vielleicht doch „wegen“? Werden wir das je erfahren?) hatten sich 75 sangesfreudige Menschen angemeldet und den Probenraum im Gemeindehaus der Stadtkirche gefüllt. Eine Rekordzahl!
Noch mal in Worten: fünfundsiebzig!
Es ist immer schön zu sehen, wen das Singen zusammenbringt:
Von 12 bis zu 88 Jahren reichte die Altersspanne. Die Sängerinnen und Sänger kamen von nah und fern, aus Groß-Gerauer Ortsteilen und umliegenden Gemeinden über Darmstadt und Weiterstadt bis hin zu den linksrheinischen Alzey, Harxheim und
Mainz.
Neben den „üblichen Verdächtigen“ waren auch neue Gesichter beim Gospelworkshop zu sehen. Insgesamt waren viele geübte Chorsängerinnen und -sänger dabei, die das Pensum, das Kantorin Wiebke Friedrich mit uns einstudieren wollte, mit Leichtigkeit bewältigten.
Tatsächlich waren es diesmal sieben Lieder, die am Sonntag „Kantate“ im Gottesdienst aufgeführt werden sollten. Kein Problem! Wiebke forderte, feilte – und lobte, lobte, lobte (Da musste ich direkt mal in den Kalender schauen, ob dort vielleicht „Laudate“ stand?).
Aus guter Gewohnheit hatte ich ständig einen Bleistift in der Hand, um Eintragungen in die Noten zu machen: Hier ist vielleicht ein crescendo oder decrescendo angesagt, da ein piano; hier ein ritardando, dort ein schmelzendes dolce… Von wegen! Der Bleistift hatte nicht viel zu tun, stattdessen hieß es: „Schauen Sie auf mich, ich zeige Ihnen das dann schon an!“ Überhaupt, das Rausschauen ist doch - gerade beim Singen - das A und O. Daher auch Wiebkes wichtigste Anweisung:
„Nicht so in den Noten versacken. Jetzt mal Mut zur Auswendigkeit!“
Die Mischung der vorgetragenen Stücke hat mir wieder sehr gut gefallen. Mein persönlicher Favorit war die Vertonung des Psalms
23 „The lord is my shepherd“, rhythmisch nicht ganz so einfach und eingängig wie die Schunkelstücke „Jubilate“ oder „Clap your hands“, dafür aber etwas zum Schwelgen… und ein Ohrwurm der sanften Art.
Nach drei Proben schienen wir uns den Stoff bis zur Auftrittsreife angeeignet zu haben.
Aber wer wird denn da übermütig werden! Vor die Aufführung haben die Götter die Stellprobe gesetzt.
Plötzlich ist alles anders… Der Nachbar links sieht auf einmal nichts mehr, weil Groß vor Klein steht, die Nachbarin rechts hat nicht die Stimme neben sich, an der sie sich festzuhalten gewohnt ist, die Abstände beim gestaffelten Treppenstehen reichen nicht für Noten und Ellbogen… und überhaupt!
Wenn das mal gut geht!
Natürlich geht es immer gut und alles ruckelt sich irgendwie zurecht. Dafür ist die Stellprobe ja da. Wichtig ist, sich zu merken, neben wem man gestanden hat, damit das Geschiebe und das Hinund Herwechseln am nächsten Morgen beim Einsingen in der Kirche nicht von neuem beginnt.
Zum Gottesdienst, den unsere ehemalige Dekanin Heike Mause feierte, war die Stadtkirche gut gefüllt, so dass uns das Singen sowohl „mit vielen“ als auch „für viele“ große Freude machte.
Die Altersspanne des Chores wurde noch weiter ausgedehnt, denn ein sehr junges Teilnehmerchen krähte in den Bankreihen mit; ich glaube, das gibt Nachwuchs für den Kinderchor. Natürlich durfte auch die Gemeinde bei einigen Liedern mitsingen und tat es mit Begeisterung.
Gleich am folgenden Abend hatte ich wieder Kantoreiprobe. Neue Lieder für das Friedenskonzert am 31. Mai verdrängten die Gospels. Aber ich weiß, „Jubilate“ und die anderen sind nicht weg. Sie schlummern nur. Und ein Fetzen von drei oder vier Noten genügt, um sie dereinst wieder zu erwecken. Denn der Ohrwurm ist ein hartnäckiges Tier.
WF
Ich freue mich sehr über einen gelungenen Auftakt unserer Orgelerweiterung.
Inzwischen haben wir die zugesagten Gelder vom Dekanat und der Landeskirche auf unser Konto überwiesen bekommen. Und dank zahlreicher Gemeindemitglieder und weiteren lieben Menschen haben wir auch schon einen beträchtlichen Betrag sammeln können für den Eigenanteil, den wir leisten müssen. Großen Anklang hat die Möglichkeit gefunden, eine Pfeifenpatenschaft zu übernehmen, so dass schon die Hälfte aller Pfeifen einen Paten oder eine Patin gefunden haben. Sollten Sie Interesse haben, schauen Sie einfach mal in der Kirche vorbei, dort hängt ein großes Plakat mit allen Informationen oder schauen Sie hier auf unserer Homepage. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle allen Patinnen und Paten, Spenderinnen und Spendern.
Aber auch der Verkauf von Orgelkeksen, -tassen, -taschen und weiteren Artikeln war ein großer Erfolg.
Hier gebührt ein außerordentlicher Dank unserer Kreativgruppe, die mit großem Engagement gebacken, verpackt und verziert hat.
Auch hier gibt es weiterhin die Möglichkeit, leckere und schöne Dinge zu erwerben, nach Gottesdiensten, Konzerten oder auf Anfrage. Und seien Sie gespannt:
für das Osterfest gibt es neue Ideen für Dinge, die es zu erwerben lohnt - die Orgeltorte in 3D.
Seit Jahresbeginn bietet sich die Möglichkeit, kostenlos Klingeltöne für Ihr Smartphone runterzuladen, eingespielt von mir an unserer Orgel. Hören Sie doch mal rein und laden Sie sich Ihr Lieblingsstück runter. Von Mozart über Bach bis zu Beethoven ist bestimmt etwas für Sie dabei. Auch hier bedanke ich mich für die große Unterstützung bei Andreas Schneidewind, was das Aufnehmen, Verarbeiten und Layouten betrifft und bei Michael Schleidt für die Idee.
Nun gilt es weitere Ideen, die es gibt, in die Tat umzusetzen: Fest steht bereits ein Benefizkonzert des Landespolizeiorchesters Hessen am 25. Oktober. Halten Sie sich diesen Termin unbedingt frei. Der Organist Christian Hopp hat sich schon für ein Konzert mit Schwerpunkt „Musik der französischen Romantik“ angeboten, wir hoffen auf ein Konzert „Orgelmusik und Akrobatik“, und natürlich werde ich selber Konzerte auch zusammen mit meinen Gruppen spielen.
Bisher haben wir nur einen ungefähren Zeitplan der Orgelbau-Firma bekommen, was die Arbeiten an der Orgel betrifft. Diesen gilt es jetzt genauer festzulegen, damit wir in konkrete Konzertplanungen eintreten können.
Kommen Sie zu den Benefiz-Konzerten! Beachten Sie den Stand in der Kirche! Kaufen Sie sich eine Tasse oder Tasche! Werden Sie Orgelpfeifenpate/in! Natürlich gibt es aber auch weiterhin die Möglichkeit, „ganz normal“ zu spenden.
Wichtig dabei ist die richtige Angabe beim Verwendungszweck:
Volksbank Darmstadt Mainz
IBAN: DE14 5519 0000
0443 0840 25
BIC: MVBMDE55
Verwendungszweck:
„Pfeifenpatenschaft für die Stadtkirche“
Ich freue mich wirklich sehr über die große Unterstützung, die ich bis jetzt erfahren habe, und bedanke mich von Herzen bei allen, die in irgendeiner Art und Weise dazu beigetragen haben!
DANKE!
Wiebke Friedrich
Helfer gesucht
Stühle schleppen, Kaffee kochen, Tassen abwaschen, einen Pavillon aufbauen... - immer wieder im Laufe des Jahres gibt es Gelegenheiten, da hat die Gemeinde scheinbar zu wenige Hände fürs Vorbereiten und Aufräumen. SCHEINBAR! In Wirklichkeit gibt es viele Hände, die zupacken möchten. Nur: Wie können wir zu ihnen Kontakt aufnehmen, wenn wir sie brauchen? Die Lösung:
Dafür gibt es jetzt die Helferliste.
Wir stellen uns das so vor:
Wer Freude daran hat, mit anderen zusammen vielleicht ein-, zweimal im Jahr bei irgendeiner Aufgabe mit anzupacken, trägt sich in die Liste ein - mit ein paar Angaben zu den Möglichkeiten und den Kontaktdaten. Und wenn wir sieben Kartoffelschäler für den Lutherabend brauchen, aber nur fünf haben, kommt ein Anruf oder eine Mail aus dem Gemeindebüro. Und NUR wer dann zu dem Termin Lust und Zeit hat, sagt zu. Hier können Sie einen Vordruck herunterladen, den man gerne ausgefüllt im Gemeindebüro abgeben kann.
Mündlich - direkt oder telefonisch - geht es genauso gut.
Nach einem festlichen Gottesdienst am 2. Advent 2025, den unsere (inzwischen ehemalige) Dekanin Heike Mause hielt, lud die Stadtkirchengemeinde zur Gemeindeversammlung ein, um die Gemeinde über das gegenwärtige Gemeindeleben, aber auch über anstehende Veränderungen zu informieren.
Erstaunlich viele waren es, die nach dem Gottesdienst und dem Kirchenkaffee wieder in den Bankreihen saßen, um zu hören, was der Kirchenvorstand zu berichten hatte.
Der Blick auf unser Gemeindeleben wurde auf eine große Plakatwand, wo sich alle Gruppen und Kreise mit ihren Aktivitäten präsentieren konnten, verschoben. Denn die beiden anderen Tagesordnungspunkte brauchten ihre Zeit.
Zunächst stellte Wiebke Friedrich das große Projekt der Orgelerweiterung vor. Mit großem Engagement stellte sie dar, warum es einerseits für die Gemeinde sinnvoll und vernünftig, andererseits aber auch finanziell realistisch ist, unserer Bosch-Orgel weitere Klänge hinzuzufügen. Hier können Sie sich wieder darüber informieren, was unsere Kantorin da schon alles eingetütet oder auf den Weg gebracht hat.
Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes Holger Tampe berichtete dann davon, wie weit die Umstrukturierung in der Landeskirche bei uns in Groß-Gerau vorangekommen ist.
Als es um die Pfarrstellen im neu gebildeten Nachbarschaftsraum und den Abschied vom traditionellen Gemeindepfarrer ging, mehrten sich doch die sorgenvollen Nachfragen aus der Gemeinde und sowohl Dekanin Mause als auch Pfarrer Bernhard mussten versuchen, die Entwicklungen zu erklären und einzuordnen.
Und dann gab es zwei Wochen später den zweiten Abschied: Pfarrer Bernhard hat seinen Abschied ja in bekömmliche Häppchen aufgeteilt: erst vom Vorsitz im KV, dann vom Amt des Stadtkirchenpfarrers und erst in einem Jahr folgt der endgültige Abschied in den Ruhestand. Aber trotzdem bleibt dieser Abschied nach zwanzig Jahren schwer verdaulich.
Feierlich war die Eröffnung des letzten Gottesdienstes von Helmut Bernhard als Pfarrer der Stadtkirchengemeinde:
Bläser und Orgel im Zusammenspiel mit majestätischen Klängen. Wie zu einem ganz großen Ereignis. Und entsprechend hatte die Kantorin nicht nur den Posaunenchor, sondern auch die Kantorei auf der Empore versammelt.
Und auch der sehr gute Besuch dieses Gottesdienst war ja der eines Feiertages.Aber schon in der Begrüßung und dann noch einmal bei den Abkündigungen betonte Pfarrer Bernhard, dass dies nur ein kleiner Abschied sei, dass nicht er im Vordergrund stehe, sondern dass ein normaler Gottesdienst gefeiert werde, in dem die Seele das Wichtigste sei - und über die wolle er dann auch predigen. Die Seele war dann auch im Psalm, in den Lesungen und in den Gebeten und zudem in den Liedern immer wieder Thema: „Du meine Seele, singe“ und „Lobe den Herrn, meine Seele“.
Aber schon bei dem Überraschungsgeschenk des Posaunenchores, einem Musikstück aus den 60er Jahren, das niemand außer Helmut Bernhard wirklich gelungen oder auch nur erträglich findet, und dann erst recht am Ende des Gottesdienstes und auch nach dem Gottesdienst zeigte sich dann doch, dass die Stadtkirchengemeinde an diesem Sonntag eben doch den Abschied zum Thema machen wollte. Das lag ihr gewissermaßen auf der Seele...
Blumen, Geschenke, von weit her angereiste Ex-Kirchenvorsteherinnen, Applaus, Sekt, dichtes Gedränge um den Mann in
Schwarz. Da stand dann doch die Person des Pfarrers im Mittelpunkt. Neben Blumen und Wein gab es die allerletzten Fensterscheiben aus den alten Chorfenstern, die vor fast zwanzig Jahren ausgebaut wurden, als die schönen drei Buntglasfenster in unsere Kirche kamen. Neben dem „Umbau“ der Gemeinde ist eben der Umbau der Stadtkirche, der mit diesen Fenstern begann, ein ganz, ganz großer Posten in der Bilanz von Pfarrer Helmut Bernhard. Und bei dem Essen, zu dem der Kirchenvorstand Pfarrer Bernhard eingeladen hatte, ging es in den meisten Anekdötchen immer wieder um das, was dieser Pfarrer aus der Stadtkirchengemeinde in den letzten zwanzig Jahren gemacht hat.
Hic sunt dracones – Hier sind Drachen.
Das stand auf Landkarten in alter Zeit für unerforschtes Land.
Wir - in der Stadtkirchengemeinde - stehen ja jetzt auch vor unbekanntem Terrain:
Unsere Gemeinde schließt sich mit etlichen anderen zur „Gesamtgemeinde Groß–Gerauer Land“ zusammen.
Unser lieber und vertrauter Pfarrer Bernhard verlässt unsere Gemeinde, wir bleiben in der Obhut von Pfarrerin Josephine Haas, die wir aber mit den anderen Gemeinden „teilen“ müssen.
Last but not least scheidet Dekanin Mause, uns gut bekannt aus vielen Gottesdiensten, aus ihrem Amt aus.
Mich persönlich beschäftigt bei all dem ganz besonders die Frage:
Was wird mit der Kirchenmusik?
Unsere Kantorin Wiebke Friedrich, mittlerweile Propsteikantorin, hat in ihrer langen Dienstzeit bei uns an der Stadtkirche die Kirchenmusik zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Kantorei, Posaunenchor, Jugendchor, Dekanatskammerorchester und Kinderchor – für jeden Anlass hat Wiebke Friedrich das passende Ensemble und die passende Musik parat.
Nicht zu vergessen die Orgel, um deren Pflege und Erweiterung sie sich begeistert kümmert und die von ihr selbst sowie von mehreren weiteren vorzüglichen Organistinnen und Organisten fast in jedem Gottesdienst meisterlich gespielt wird.
Ich selbst bin in zwei Gruppen – der Kantorei und dem Kammerorchester – aktiv. Ich liebe die Proben – sind sie auch manchmal anstrengend.
Die Musik ist ein wichtiger Teil meines Lebens, die Gruppen ein bisschen „Familie“.
Natürlich wollen wir auch immer gerne präsentieren, was wir können.
Das ist immer aufregend und macht riesig Spaß, und bisher haben Wiebke Friedrich und wir mit unserer Musik immer viel Wertschätzung erfahren. Die Musik war ein fester Bestandteil des Gemeindelebens und es gab für uns unzählige Gelegenheiten zum Auftreten, sei es in Gottesdiensten oder Konzerten.
Wie wird es aber jetzt damit weitergehen?
Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass es so schön bleibt, wie es bisher war. Schließlich ist Kirchenmusik doch auch eine Art von Gebet und Andacht und – zumindest für mich – oft eine „ Abkürzung“ für die Seele hin zu Gott.
Bleiben Sie behütet!
Der Autor ist der Redaktion bekannt.